Organisationsstruktur

Der Jugendheim Marbach GmbH liegt eine Kollegialorganisation zugrunde.

Dies bedeutet:

Die pädagogischen MitarbeiterInnen entscheiden nach dem Prinzip der relativen Autonomie auch über die Belange der Einrichtung, wie z.B. Neueinstellungen von MitarbeiterInnen, Anschaffungen, Planung neuer Projekte etc.

Innerhalb der einzelnen Einrichtungen gibt es keine Team- bzw. Gruppenleitung. Vielmehr arbeiten und entscheiden die MitarbeiterInnen je nach Situation und Belang gleichberechtigt als Einzelperson oder Team eigenständig und selbstverantwortlich z.B. hinsichtlich Zeiteinteilung und Arbeitsaufteilung, Einteilung finanzieller und materieller Ressourcen, der pädagogischen Aufgaben etc.

Die grundsätzliche Entscheidung für die kollegiale Organisationsform ist verbunden mit der Ablehnung von hierarchisch übergeordneten Positionen, dem Abbau zentraler Versorgungsleistungen und der Aufhebung einer früher üblichen strikten personellen Trennung der Verwaltung und Heimleitung von den pädagogischen Arbeitsbereichen.

Selbstbestimmte Arbeit und die dichte Form der kollegialen Kommunikation sind also die Basis unserer Zusammenarbeit; Qualitätsentwicklung und –sicherung wird über gemeinsame Lernprozesse initiiert.

Der Ausgleich zwischen Autonomie des einzelnen Mitarbeiters und der Einrichtungsteams einerseits bei gleichzeitiger Gesamtverantwortung des Trägers für die pädagogische Arbeit andererseits kann nur realisiert werden über ein ausgewogenes Verhältnis von Autonomie und Kontrolle. Die Übernahme der gemeinsamen Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen setzt voraus, die Arbeit in den Einrichtungen des Trägers zu kennen und über einen dialogischen Prozess an Diskussionen, Entwicklungen und Lösungen beteiligt zu sein.

Aus diesen Grundgedanken heraus hat sich ein System von verschiedenen Gremien und Arbeitsgemeinschaften gebildet, die gewährleisten, dass alle pädagogischen MitarbeiterInnen über die Belange der Jugendheim Marbach GmbH im Wesentlichen informiert sind und an wichtigen die Gesamteinrichtung betreffenden Entscheidungen direkt oder indirekt beteiligt werden. Sie werden im Folgenden vorgestellt.

 

1. Die GesellschafterInnenversammlung

GesellschafterInnen der Jugendheim Marbach GmbH können ausschließlich pädagogische MitarbeiterInnen der Einrichtung werden. Hierdurch wird fachfremde bzw. organisationsexterne Einflussnahme über die Gesellschafterebene auf die Belange der Jugendheim Marbach GmbH verhindert.

Die z.Zt. zehn GesellschafterInnen der Jugendheim Marbach GmbH haben die meisten der ihnen per Gesetz zustehenden Entscheidungsmöglichkeiten an die Gesamtheit der MitarbeiterInnen per Satzung abgetreten, so dass eine kollegiale Organisation möglich wird. So werden Entscheidungen de facto von den einzelnen dafür vorgesehenen Gremien getroffen. Wenn es die Rechtslage erfordert, werden diese Entscheidungen dann de jure von den GesellschafterInnen bestätigt.


2. Die Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung (DV) setzt sich aus je einer KollegIn aus jeder Einrichtung zusammen, die in einem etwa ein- bis zweijährigen Rhythmus wechseln. Sie ist zum einen zuständig für die Definition des Rahmens, innerhalb dessen die Geschäftsführung selbstständig handeln kann, und zum anderen für deren Kontrolle.

In den 14-tägigen Sitzungen wird u.a. über Investitionen, Neueinstellungen, Einrichtungsgründungen und -veränderungen entschieden. Die DV ist ihrer Funktionszuschreibung nach TrägerIn der Einrichtung mit allen daraus erwachsenden Rechten und Pflichten, nimmt also auch die Dienst- und Fachaufsicht wahr. D.h., hier sind alle finanztechnischen und organisatorischen Belange konzentriert, die für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Arbeit wichtig sind. Alle pädagogischen MitarbeiterInnen sind also zugleich ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen. Die Delegiertenversammlung ist der Ort, an dem ein Ausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen stattfinden muss – ein ebenso schwieriger wie lohnenswerter Prozess.


3. Die Geschäftsführung

Die Geschäftsstelle der Jugendheim Marbach GmbH ist nach wie vor untergebracht in dem Haus am Bienenweg, in dem alles angefangen hat.

Personell ist die Geschäftsstelle mit zwei pädagogischen MitarbeiterInnen (Planung, Koordination und Verwaltung) und zwei Verwaltungsangestellten (Buchhaltung) besetzt.

Auf der Grundlage der Gremien-Entscheidungen wird von der Geschäftsstelle die Koordination für die Gesamteinrichtung übernommen. Die Geschäftsstelle ist Anlaufstelle für Anfragen von außen sowie Informationsverteilungsstelle für die einzelnen Einrichtungen, Gremien und Arbeitsgruppen. Hier werden Vorarbeiten und Entscheidungshilfen geleistet; ebenso erfolgen hier die Zusammenfassung der kostenmäßigen Abläufe aller Einzeleinrichtungen sowie die zentrale Aktenführung.

Zu den seit Gründung der Jugendheim Marbach GmbH bestehenden Organisationsprinzipien gehört der Grundsatz der "dienenden" Funktion der Verwaltung. Dieser den pädagogischen Zielen und Mitteln der Gesamteinrichtung untergeordnete Charakter bezieht sich dabei nicht nur auf die reinen Verwaltungstätigkeiten, sondern auch auf die Verknüpfung von finanztechnischen, pädagogisch-inhaltlichen und planerischen Aktivitäten, die unter der Bezeichnung Koordination zusammengefasst werden.

Aus der pädagogischen Praxis abgeleitete Bedürfnisse sind somit handlungsleitend für die Geschäftsstelle.


4. Die Mitarbeiterkonferenz

Die Mitarbeiterkonferenzen, an denen alle pädagogischen MitarbeiterInnen der Jugendheim Marbach GmbH teilnehmen, finden ebenfalls 14-tägig (im Wechsel mit der DV) statt.

Sie geben Raum für den regelmäßigen Informationsaustausch aller KollegInnen, inhaltliche Diskussionen sowie interne Fortbildungen, zu denen vielfach auch ReferentInnen von außen eingeladen werden. Durch diese institutionell verankerte Transparenz wird ein kollegialer Irrtumsausgleich ermöglicht, welcher einen zentralen Grundpfeiler unserer Arbeit darstellt.


5. Qualitätsentwicklung

Die Organisationsstruktur der Jugendheim Marbach GmbH mit den in ihr angelegten kommunikativen Aushandlungs- und (fachlichen) Reflexionsprozessen führt zu einer beständigen internen Qualitätssicherung und -entwicklung. In der täglichen Arbeit und den vielfältigen Kommunikationsprozessen erleben wir eine hohe Übereinstimmung zwischen den im Leitbild aufgenommenen Zielen und unserer Arbeitsweise. Diese Tatsache ist unserer Überzeugung nach eine entscheidende Grundlage für die Qualität unserer Arbeit.

Darüber hinaus sind wir über das Verfahren nach SGB VIII §78 in einem kontinuierlichen Qualitätsentwicklungsprozess mit den für uns zuständigen Öffentlichen Trägern, mit denen wir in einem kooperativen Dialog Verfahren für die Praxis entwickeln.

Die von uns praktizierte Qualitätsentwicklung lässt sich beispielhaft am Aufbau des ambulanten Familienberatungsdiensts AmBera verdeutlichen. Diese Einrichtung wurde gegründet, weil die KollegInnen in den (teil)stationären Einrichtungen der Jugendheim Marbach GmbH die Auffassung vertraten, den Eltern der untergebrachten Kinder im Arbeitsalltag nicht ausreichend gerecht werden zu können. Die Einführung von intensiver Elternberatung durch KollegInnen, die nicht direkt in den (teil)stationären Einrichtungen arbeiten, erleben wir seither als deutliche Qualitätsverbesserung der Arbeit.

5.1       Supervision/Fortbildung

Alle pädagogischen MitarbeiterInnen der Einrichtung sind zu regelmäßiger Fortbildung sowie Supervision verpflichtet. Neben der externen Supervision ist ein System regelmäßiger, gegenseitiger Kollegialberatung institutionalisiert, das fachlichen Austausch, Anregungen zu Innovation und Kompetenzerweiterung der MitarbeiterInnen sicherstellen soll.

5.2       Die Kollegialberatung

Jedes Team wählt sich aus der Reihe der MitarbeiterInnen der anderen Einrichtungen eine KollegialberaterIn, die das Team begleitet und regelmäßig zu kritischer Reflexion seiner Arbeit herausfordert. Hierzu nimmt diese KollegIn u.a. auch an den wöchentlichen Teamsitzungen teil. Kollegialberatung repräsentiert auch die Verantwortung der Gesamteinrichtung gegenüber den betreuten Kindern und Jugendlichen sowie ihr Interesse an Transparenz und gegenseitiger Korrektur.