Menschenskind

Seit 2008 ist das Projekt Menschenskind bei AmBera und der Jugendheim Marbach angesiedelt. 

Menschenskind ist ein Kooperationsprojekt von Stadt und Kreis Marburg, das nicht über das Jugendamt, sondern über das Gesundheitsamt geleitet wird.
Die Stadt Marburg hat dafür AmBera beauftragt.

ZIELGRUPPE

Das Projekt versteht sich als ein Hilfs- und Förderungsangebot im Bereich früher Hilfen und will Familien in besonders belasteten Lebenssituationen mit Kindern von 0 – 3 Jahren erreichen. Es setzt also frühestens in der Schwangerschaft an und endet spätestens mit dem 3. Lebensjahr des Kindes.

Ein herausragendes Merkmal des Projekts ist der Anspruch, präventiv zu arbeiten, möglichst frühzeitig Risikofaktoren zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken, um eine gesunde psychische und physische Entwicklung der Kinder zu ermöglichen.

Besonders belastete Lebenssituationen in Familien können verschiedenartige Ursachen und Erscheinungsformen annehmen. Abgesehen davon, dass Schwangerschaft und Geburt eines Kindes immer die persönliche Lebenssituation radikal verändern (neue Rolle als Mutter, Veränderung der Paarbeziehung, finanzielle Situation u.a.), können zudem Faktoren wie problembelastete Biografie, Partnerschaftskonflikte, finanzielle Einbußen und vieles mehr dazu führen, dass zusätzlich ein erhöhter Hilfe- und Betreuungsbedarf entsteht.

Optimalerweise setzt die Betreuung bereits in der Schwangerschaft ein, kann jedoch auch jederzeit nach der Geburt eines Kindes beginnen.

AUFGABEN UND ZIELE

Ziel des Projekts ist es, für Familien in besonders belasteten Lebenssituationen (s.o.) ein Hilfsangebot bereitzuhalten, das dem Risiko von Misshandlung oder Vernachlässigung der Kinder entgegenwirkt. Familien, in denen die persönliche Situation der Eltern bereits stark belastet ist, bergen das Risiko negativer Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung und können einer gesunden emotionalen, kognitiven, physischen und sozialen Entwicklung im Wege stehen. Davon ausgehend, dass die familiären Verhältnisse Auswirkungen auf die Entwicklung und Förderung der Kinder haben, setzt das Projekt dort unterstützend an.

In Gesellschaft und Fachkreisen wird seit längerem zu Recht der Ausbau früher und präventiver Hilfen im Bereich Kinderschutz gefordert und für sinnvoll und notwendig erachtet. Hier setzt Menschenskind an, indem Risikofamilien möglichst frühzeitig aufgesucht werden.

Das anschließend für die Familien niedrigschwellig und freiwillig einsetzende Hilfsangebot soll Eltern in ihren Erziehungskompetenzen stärken und sie und ihre Kinder in ihrer Entwicklung begleiten. Nachfolgend seien noch exemplarisch einige Aspekte der pädagogischen Arbeit benannt, die der Erreichung  der zuvor beschriebenen Ziele dienen:

  • Frühzeitiges Erkennen und/oder Vermeiden von Entwicklungsdefiziten und Auffälligkeiten
  • Empowerment
  • Begleitung und Hilfe bei der kindlichen Entwicklung
  • Einbeziehung des Familiensystems und anderer relevanter sozialer Kontakte
  • Stärkung der Beziehung zwischen Eltern und Kind
  • Unterstützung im Erlangen sozialer und emotionaler Kompetenzen, insbesondere auch zwischen Eltern und Kind
  • Stärkung der Fähigkeiten zur Förderung einer gesunden Entwicklung für die Kinder
  • Aufspüren und Aktivieren der in den Familien vorhandenen Ressourcen
  • Unterstützung von Maßnahmen, die die Integration in die Gesellschaft fördern
  • Praktische Hilfen zur Bewältigung des Alltags mit Kindern
  • Regelung der finanziellen Situation (Hilfe bei Anträgen, Vermittlung in Schuldnerberatung, Vermittlung und Hilfestellung bei Behördengängen, Erläuterungen von Bescheiden, Hilfe bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen etc.)

UMSETZUNG

Nach einem ersten Hausbesuch durch die sozialpädagogische Fachkraft (und ggf. Hebamme) wird gemeinsam mit der Clearingstelle über die Aufnahme in das Projekt entschieden. Im Gespräch mit der Familie wird geklärt, welche Hebamme die Betreuung übernehmen wird. In manchen Fällen haben die Familien bereits Kontakt zu einer Hebamme oder eine Vorstellung davon, welche Hebamme sie gerne hätten. Sofern noch nicht bekannt, wird die entsprechende Hebamme über das Projekt in Kenntnis gesetzt und ihre Mitarbeit angefragt.

Die zukünftigen Hausbesuche finden je nach Bedarf im Wechsel Hebamme/sozialpädagogische Fachkraft oder gemeinsam statt. Gemeinsam mit den betreuten Familien werden Aufgaben und Ziele festgelegt, die spätestens nach Ablauf von 6 Monaten überprüft und neu definiert werden.

Es erfolgt eine regelmäßige (monatliche) Dokumentation, die die Entwicklung der Familie beinhaltet.


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Irene Knüllig
Diplom-Sozialarbeiterin
Systemische Familientherapeutin
Multifamilientherapeutin
Ausbildung in Psychodrama,
Supervision und Coaching